Starkregengefahrenkarte

Hintergrund 

Durch den zuletzt deutlich beschleunigt ablaufenden Klimawandel wird das Niederschlagsgeschehen global und regional nachweisbar verändert.

Starkregenereignisse nehmen feststellbar zu und sorgen jährlich für erhebliche Sach- und Personenschäden. Zu hohe Niederschläge treten auf, wenn in sehr kurzer Zeit höchste Niederschlagsmengen lokal abregnen oder sich Tiefdruckgebiete und Gewitterfronten langsamer fortbewegen oder sogar stationär werden. Die Flutkatastrophe vom 14./15. Juli 2021 stellt die jüngste Ausprägung dieser negativen Entwicklung dar. In Teilen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Belgien sorgte das Tief "Bernd" für viel Zerstörung und insgesamt über 220 Tote. 

Niederschlagsanalyse auf Basis von Hydrometeorologischen Rasterdaten (HYRAS), für die Dauerstufe  72 Std. bis zum 15.07.2021 08:00 Uhr MESZ (DWD 2021)

Holzwickede 

Am Mittwoch, den 14.07.2021, kam es auch in der Gemeinde Holzwickede zu massiven Überflutungen aufgrund eines Starkregenereignisses. Laut Aussage der Emschergenossenschaft wurden für das Gemeindegebiet Niederschläge zwischen 75 und 100 l/m² gemessen. Diese Niederschlagsmenge entspricht einer Jährlichkeit von seltener als 100 Jahren. Neben vielerorts vollgelaufenen Kellern waren die Ausmaße dieses Starkregenereignisses insbesondere im nördlichen Gemeindegebiet zu spüren.

Krummer Weg (Foto: HA 2021)

In der Auenlandschaft des Natorper Baches konnten zunächst große Wassermengen zwischengespeichert werden. Aufgrund der hohen Regenmengen kam es aber zu einem Wasserübertritt des Natorper Bachs in den Krummen Weg.

Natorper Aue (Foto: HA 2021)

Hier stand das Wasser teilweise bis zu einem Meter hoch und führte zu Keller- und Grundstücksflutungen bei den Anliegern. Auch im Holzwickeder Bachtal kam es zu starken Überschwemmungen im Bereich der Wasserstraße.

Die durch das Starkregenereignis vollgelaufene Sparkasse unter Einsatz von Tauchern der DLRG (Foto: HA 2021)

In der Gemeindemitte war insbesondere der Emscherpark und der Sparkassengebäudekomplex an der Hauptstraße betroffen. Die Überflutungen aus dem Bereich der Emscher führten dazu, dass die Wassermassen in der Tiefgarage fast bis zur Decke standen und einen Großeinsatz der Feuerwehr auslösten.

Nutzungshinweise zur Starkregengefahrenkarte

Die seit dem 28.10.21 frei zugängliche Starkregengefahrenkarte des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) stellt für Nordrhein-Westfalen die landesweit hydrodynamisch modellierten Fließgeschwindigkeiten und Überflutungstiefen für Starkregenereignisse dar. Dabei ist Nordrhein-Westfalen die erste Teilregion im Projekt „Hinweiskarte Starkregengefahren". Die Starkregenhinweiskarte für NRW wurde gemäß den landeseinheitlichen Vorgaben der „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement“ erstellt. Als Grundlagendaten zur Simulation der Starkregengefahren sind dabei in erster Linie Geodaten und Informationen von Land, amtlichen Liegenschaftskataster und dem Deutschen Wetterdienst in die Berechnung eingeflossen.

 

Insgesamt werden zwei jeweils einstündige Niederschlagsszenarien in Form eines seltenen (TN = 100 a) und extremen Starkregens (90 mm/h) dargestellt. Die Karte dient als wichtiges Instrument, um in Bezug auf Starkregen gefährdete Kommunen leichter zu identifizieren, auf besondere Gefahrenbereiche hinzuweisen und der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu bieten, sich präventiv anpassen zu können.

 

Die landesweite Starkregengefahrenkarte kann über das Fachinformationssystem des Landesumweltamtes sowie dem Geoportal des BKG abgerufen werden. Durch Eingabe der Adresse können die ausgewählten Fachdaten (z.B. Hochwasserschutz - Starkregenhinweiskarte für NRW) häuserscharf abgerufen werden.

Krummer Weg (Darstellung Sprenger)
Sölder/Landskroner Straße, Selbach, Grenze Sölde (Darstellung Sprenger)

Aktualisierung der Hochwasserrisikomanagementplanung in NRW 2019 - 2021

Die Flussgebietsgemeinschaften Ems, Rhein und Weser sowie das Land Nordrhein-Westfalen für das deutsche Maasgebiet haben entschieden, dass der Abschluss des 2. Zyklus der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie mit der Veröffentlichung der HWRM-Pläne im Dezember 2021 wie ursprünglich geplant erforderlich und sinnvoll ist. In den Plänen wurden Ergänzungen mit Bezug auf die Katastrophen von Juli 2021 vorgenommen, soweit es der Stand der Dokumentation und Auswertung ermöglichte. Weitere Infos erhalten Sie unter Aktualisierung der Hochwasserrisikomanagementplanung

In dem Zusammenhang wurde die Hochwassergefahrenkarte sowie der Kommunensteckbrief der Gemeinde Holzwickede aktualisiert. Während die Hochwassergefahrenkarte (Hochwassergefahrenkarte Holzwickede) das mögliche Ausmaß eines Hochwassers darstellt, fasst der Kommunensteckbrief (Kommunensteckbrief Holzwickede) in einem Überblick die aktuelle Maßnahmenplanung zusammen.

Kommunensteckbrief Holzwickede (Sprenger 2022)
Hochwassergefahrenkarte Holzwickede (Sprenger 2022)

Service 

Informationen zu Vorbeugung, Maßnahmen und Versicherungsschutz bei starkregenbedingten Schäden sowie Termine für Online-Seminare zum Thema Starkregen erhalten Sie bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen unter Starkregen, Hochwasser, Unwetter | Verbraucherzentrale NRW.

 

Weitere, hilfreiche Tipps zur präventiven Anpassung des Eigentums können Sie folgenden Flyern entnehmen:

Alles klar bei Starkregen

Rückstau aus dem Abwasserkanal

Gewitterregen - Wasser im eigenen Keller?

 

Für darüber hinausgehende, kommunenspezifische Fragestellungen wird für das Gemeindegebiet gemäß der nordrhein-westfälischen „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement“ derzeit ein Starkregenrisikomanagement durch eine Risikobewertung und der darauf aufbauenden Ableitung von Handlungsempfehlungen für Holzwickede erstellt. Die Fertigstellung des Starkregenrisikomanagements wird für Ende 2023 angestrebt.  

 

Ansprechpartner bei weiteren Fragen: 

Herrn Felix Sprenger

Tel.: 02301/ 915-407

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